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Schreiben als Job oder: Aus dem Leben einer Online-Redakteurin

Schreiben

Folgendes Gespräch erlebe ich mehrmals im Monat, warum auch immer:

Ich treffe auf eine Person. In der Bahn, auf einer Veranstaltung, im Rahmen einer ganz anderen Gelegenheit oder schließlich einfach zufällig. Wir kommen ins Gespräch, stecken gegenseitig die Felder ab. Name, Familienstand, grobe Lebenssituation … Schließlich kommt die Frage aufs Berufsleben.

„Was machst du denn eigentlich beruflich so?“, fragt er/sie und blickt gleichzeitig von seinem Smartphone auf (es stört mich persönlich nicht, wenn man im Rahmen eines Gesprächs das Smartphone bedient).

„Ich lebe vom Schreiben. Bin Redakteurin und Autorin“, antworte ich voller Stolz, immerhin liebe ich meinen Job und finde auch überhaupt gar nichts Verwerfliches daran.

„Okay … Kann man denn damit Geld verdienen?“

An dieser Stelle ist für mich im Verlauf des Gesprächs oft Schluss. Als Online-Redakteurin und Autorin wird man entweder als mittellos oder absolut wahnsinnig eingestuft, ohne, dass die Nichtwissenden sich einmal fragen, in welchen Rahmen derjenige Redakteur tätig ist.

Aber auch eine andere Situation kommt immer wieder vor. Manchmal schreibe ich in Cafés, bei meinen Eltern im Wohnzimmer oder einfach im Park. Oft kommen Nichtwissende auf mich zu und fahren mich an, warum ich „die ganze Zeit hinter dem Computer hänge“ und „ob ich nichts Anderes zu tun hätte?“ Floskeln wie „Die Jugend von heute kennt auch nur noch Facebook“ usw. usw. werden mir an den Kopf geworfen. Jahrelanges Training ermöglichen mir heute, mit einem Lächeln den Kopf zu schütteln und überhaupt nicht mehr zu reagieren. Leicht fällt es mir aber nie.

Kann man damit Geld verdienen?

10629877_847932355225189_4006768355341375140_nIch möchte in diesem Blogbeitrag beschreiben, warum die Arbeit als Redakteurin und Autorin, Schreiben als Job, mir so viel Freude bereitet und ich mir überhaupt nichts Anderes vorstellen kann. Vielleicht beantworten wir die erste Frage gleich zu Beginn: Kann man damit Geld verdienen?

Nun, es ist sicherlich kein Geheimnis, dass Redakteure nur im seltenen Fall ein Top-Manager-Gehalt bekommen. Aber ich kann euch vergewissern, ich liege eigentlich immer über dem durchschnittlichen Redakteursgehalt und bin auch sehr stolz darauf. Hierbei muss immer die Situation betrachtet werden: Ich bin festangestellte Redakteurin und freiberufliche Autorin. Meinen Broterwerb verdiene ich also festangestellt in einem Unternehmen, indem ich mein Schreibtalent und mein Wissen dort einbringe. Freiberuflich kann ich machen, was ich will und schreibe in erster Linie Belletristik. Rechnet man beide Einkommen zusammen, sieht’s gar nicht mal so schlecht aus 😉

Ihr müsst euch also keine Sorgen machen, dass „Redakteure“ schlecht verdienen. Sicherlich: Oft sieht’s anders aus und Kollegen schreiben Texte zu einem Hungerlohn aber auch hier ist der Faktor Selbstmarketing entscheidend. Ich weigere mich schlicht unter einem bestimmten Jahresbrutto zu arbeiten, weil ich mein Talent, meine Qualität und meine Referenzen kenne.

Gleichzeitig ist es mir an dieser Stelle aber auch ein Anliegen, klar zu machen, dass eine gute Arbeit eines Redakteurs eben auch Geld kostet. Schreiben ist nicht nur hinsetzen, kurz nachdenken und loslegen. In dem kürzesten Text können viele Arbeitsstunden stecken, ohne dass es jemand sieht.

Was sind meine Aufgaben als Online-Redakteurin?

13177655_1171670456184709_4417122037251556151_nWer denkt, ich sitze nur am Schreibtisch und schreibe einen Text nach dem anderen, der irrt sich leider. Der Job der Online-Redakteurin hat in meinem Fall auch viel mit Marketing und vor allem auch mit Konzeption zu tun. Ich begleite Webseiten-Relaunch, baue SEO-Konzepte auf, schule Redakteure auf „Schreiben fürs Internet“ und „Suchmaschinenoptimiertes Schreiben“, begleite Redaktionen, stelle Redaktionspläne auf, korrigiere Texte, schreibe Texte, mache Social Media Arbeit, überlege mir mit Marketingabteilungen Kampagnen, verfasse Texte für bestimmte Anlässe wie Mailings, Newsletter oder eben eine App.

Abwechslungsreicher Job, hm? Ja, absolut. Man muss auf so vielen Ebenen Experte sein, dass es richtig Spaß macht sich in die einzelnen Themen einzuarbeiten und immer den Horizont zu erweitern. Ich bin immer auf der Suche nach neuen Erkenntnissen, muss auf dem aktuellen Stand des Tagesgeschehen sein, die neuesten Social-Media-Netzwerke und die rechtlichen Grundlagen kennen, auf alles eine passende Antwort haben und im Zweifelsfall schnell etwas zu Papier bringen können, wenn ein Artikel gewünscht und gebraucht wird.

Hört sich sexy an, oder nicht?

 

„Macht das denn Spaß?“

11162469_966102283408195_7577997372546036879_nNoch so eine Frage, die ich regelmäßig beantworten darf und ich finde jedes Mal die gleiche Antwort: Ja, es macht mir großen Spaß! Allerdings muss ich gleichzeitig zugeben, dass ich in dieser Mischposition aus Online-Redaktion, Social Media, Marketing, Content Management und Organisation lieber aufgehoben bin als in einem Einzelbereich. Für mich gehören diese Bereiche schlicht auch einfach zusammen und sind untrennbar. Packt mich aber ein Projekt, bin ich mit vollem Stolz und vollem Engagement an der Umsetzung dabei!

Ich könnte mir keinen anderen Job vorstellen. Schreiben ist mein Leben – eben nicht nur im Bereich der Romane, die ich in meiner „Freizeit“ schreibe, sondern auch sonst. Und ich hoffe, dass ich dieser Leidenschaft noch lange nachgehen kann.

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