Schreiben als Job oder: Aus dem Leben einer Online-Redakteurin
6. August 2016
Autorenlogbuch
Autorenlogbuch #1: Die Idee hinter dem Autorenlogbuch
2. Februar 2017

Danke, Piraten! Für nichts. Oder: Warum E-Book-Klau mich wütend macht

E-Book-Klau ist gemein. So gemein, dass ich euch Folgendes einfach erzählen muss: Vor einigen Jahren, ich glaube, es sind mittlerweile 3 oder 4 Jahre tatsächlich, habe ich mir geschworen, nie wieder meine eigenen Bücher zu googlen. Was ich damals entdeckte, ließ mich an Fairness und Menschenverstand zweifeln. Und doch habe ich es in den vergangenen Tagen wieder getan, einfach nur, weil mir ein Keyword, das mir im Monotoring vermehrt angezeigt wurde, komisch vorkam.

Ich hätte es lassen sollen. Ganz ehrlich. Ich hätte es einfach hinnehmen, mir meinen Teil denken sollen, denn was ich herausfand, hat mich mehrere Tage erschüttert und so ganz bin ich immer noch nicht drüber hinweg gekommen.

Der Großteil meiner Bücher, insbesondere die Weltentaucher und die beiden Bücher aus der Reihe „Liebesbrise“ werden auf Piratenseiten für E-Books (teilweise sind das ganz einfache Google Docs Tabellen) zum Download angeboten. Liebesbrise ist auf einigen dieser Seiten sogar in den Top-Charts. Super, kann ich mich freuen. Nicht.

Jetzt mag der eine oder andere denken: Aber du weißt doch, dass deine E-Books „geklaut“ werden – damit muss doch jeder Autor rechnen. Das stimmt. Und da habt ihr Recht, ich war auch nie der Meinung, dass es nicht so wäre. Es ist etwas Anderes, das mir an jenem Abend Tränen in die Augen getrieben hat.

3/4 der „geklauten“ Bücher waren „verschenkte“ oder als Rezensionsexemplar herausgegebene Bücher an (befreundete) Blogger.

Ich bin nicht blöd. Nicht als Mensch und als Autorin schon gar nicht. Vor allem bin ich nicht nachlässig mit E-Books, die ich als Geschenk oder als Rezensionsexemplar herausgebe. Seit jeher signiere ich jedes E-Book auf eine ganz bestimmte Art und Weise. Es sind kleine Änderungen im Paratext, die aber die Bücher eindeutig signieren und nachvollziehbar machen, wo sie eventuell landen. Und ich selbst fragte mich manchmal: Lohnt sich dieser Aufwand eigentlich? Jetzt durfte ich sehen: Ja, es hat sich gelohnt.

3/4 der E-Books, die ich gefunden habe, waren ehemalige Geschenke oder Rezensionsexemplare. Ich weiß, dank der Änderungen (und ja, ich habe mir meine eigenen Bücher, um es zu prüfen, selbst raubkopiert!) welche Blogger oder Leser die Bücher weitergegeben haben müssen. Zwar kann ich nicht nachweisen, dass sie es auch dort hochgeladen haben, aber zumindest müssen sie es irgendwem gegeben haben – wider allen rechtlichen Grundlagen! – und dann ist es auf der Piratenseite gelandet.

Ich bin sauer, enttäuscht und will vor allem eins: Aufklären.

Als ich gemerkt habe, wer „mich da hintergangen“ hat, habe ich die betreffenden Personen angeschrieben. Viele leugneten es, nur eine gab es gleich zu. Verständnis? Nein, Verständnis bekam ich von keinem Blogger zurück. Einige beschwerten sich sogar, dass sie von mir ein „signiertes“ Buch bekommen hatten (die Änderungen haben allerdings echt keinen Einfluss auf das Buch …) … Ich sitze derweil an meinem Schreibtisch, müsste eigentlich am neuen Roman arbeiten, will eigentlich auch, aber bekomme kein Wort heraus. Fragen über Fragen. Die Enttäuschung siegt. Macht es eigentlich noch Sinn, weiterhin zu schreiben, wenn man eh nur so verarscht wird?

Nein, ich möchte diesem Gedanken keinen Platz geben. Nur wegen Idioten mit der Leidenschaft aufzuhören würde bedeuten, dass das Böse gewinnt. Und das, wir wissen es doch, geschieht nie.

Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid?

Es tut mir leid, meine lieben Piratenblogger, aber was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid? Ihr maßt euch an, ständig wegen irgendwelchen Rezensionsexemplaren bei uns auf der Matte zu stehen und dann habt ihr nichts Anderes zu tun, als unsere Bücher auf Piratenseiten hochzuladen, um uns so quasi wirtschaftlichen Schaden anzurichten? Quasi, weil keiner von uns weiß, ob die Buchklauer auch tatsächlich das Buch gekauft haben. Aber: Wenn ich mich entscheide, ein Buch kostenlos rauszugeben, dann will ich diese Entscheidung selbst treffen und nicht von irgendjemandem abgenommen bekommen, der meint, er sei der letzte Hecht und cool, weil er es schafft, ein ePub oder Mobi in ein PDF umzuwandeln und es auf irgendwelche Piratenseiten hochzuladen.

Das kann ich so sagen, weil ich es einfach abscheulich finde, was ihr macht. Ich hasse euch vielleicht nicht in Person, aber eure Handlungen. Und ich hoffe, dass dieses Öffentlichmachen eures Vorgehens ein bisschen die Sinne schärft. Der Autoren und der Blogger. Ihr sollt merken, dass wir Autoren nicht dumm sind und durchaus auch unsere Mittel haben, um Rechtswidrigkeiten aufzuklären. Und ihr sollt wissen, dass unsere Arbeit etwas wert ist. In einem Buch stecken mehrere Hundert, wenn nicht Tausende Arbeitsstunden. Seht es ein und beschwert euch nicht, wenn ein Preis von 99 Cent bis 4,99€ zu teuer ist. Euer Starbucks-Kaffee kostet mehr.

Danke, für nichts.

 

Comments are closed.